Rossano Sportiello + Bernd Lhotzky an zwei Flügeln
Stridin’ The Classics
Die beiden Jazz-Pianisten Rossano Sportiello und Bernd Lhotzky widmen sich an diesem Abend ganz dem Harlem Stride Piano, einem swingenden Jazz-Piano-Stil, der im New York der zwanziger und dreißiger Jahre von Pianisten wie James P. Johnson, Willie „The Lion“ Smith und Thomas „Fats“ Waller zur Blüte gebracht wurde. Heute gibt es nur noch ganz wenige Pianisten, die diesen hochvirtuosen, farbenprächtigen Klavierstil beherrschen. Eine besondere Spezialität des Duos sind Jazz-Bearbeitungen klassischer Werke von Beethoven bis Chopin.
Der in New York lebende Pianist Rossano Sportiello wurde in Mailand klassisch ausgebildet, entdeckte aber schon im Kindesalter den Jazz für sich. Die außergewöhnlichen klaviertechnischen Fähigkeiten, die sich Sportiello während seines Klavierstudiums aneignete, kommen vor allem dann zum Tragen, wenn er sich dem Harlem Stride Piano zuwendet. Mit unerschütterlichem Timing, entspanntem Swing und einem samtenen, unendlich differenzierten Anschlag interpretiert er vorwiegend Standards aus dem Great American Songbook. Während er bei der Exposition der Themen mit liebevoller Sorgfalt jedes noch so unscheinbare melodische und harmonische Detail herausarbeitet, nutzt er seine kunstvoll gestalteten und perfekt konzipierten Soli, um jedem Song eine ganz persönliche Note zu verleihen. Stilistisch knüpft Sportiello direkt an Ralph Sutton, Hank Jones, Tommy Flanagan, Dave McKenna und Barry Harris an, aber auch große alte Meister wie Fats Waller, Teddy Wilson, Art Tatum und Erroll Garner schimmern immer wieder durch.
Bernd Lhotzky wurde als Jazzpianist bekannt. Sein musikalischer Schwerpunkt lag zunächst auf dem Harlem Stride Piano in der Tradition von James P. Johnson, Willie „The Lion“ Smith und Fats Waller. Sein Spiel in diesem Idiom ist auf zahlreichen Alben dokumentiert, darunter Duoaufnahmen mit Dick Hyman. Heute stehen eigene Kompositionen und Konzertprogramme im Mittelpunkt seiner Arbeit. Das Soloalbum Rag Bag spannt einen Bogen über mehr als hundert Jahre Jazzgeschichte; für As An Unperfect Actor vertonte er Shakespeare-Sonette, mit seiner musikalischen Fassung von Otfried Preußlers Krabat schuf er eine akustische Illustration des Romans. 2026 entstand im Auftrag des Haydn-Festivals Brühl die Suite A Trip to Hoboken: where Haydn meets Jazz, in der Motive Joseph Haydns auf die Sprache des Jazz treffen. Als Solist und Ensembleleiter gastierte Lhotzky in Europa, Nordamerika und Asien, unter anderem in der Berliner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg und im 92nd Street Y in New York. Seine Aufnahmen wurden mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet.
